Ein Teil Gießener Kirchengeschichte ist an seinen Ausgangspunkt zurückgekehrt: Zwei Silberstücke, eine Abendmahlskanne und ein Abendmahlskelch der Johanneskirche aus dem Jahr 1893 sind seit November – rechtzeitig zum 132. Geburtstag der Kirche am letzten Sonntag, dem 1. Advent - wieder dort, wo sie ursprünglich ihren liturgischen Dienst taten.
Die beiden Rückkehrer hatten eine lange Wanderung hinter sich. Vermutlich in den Jahren 1928/29, als die evangelische Kirchenlandschaft in Gießen stark wuchs und sich neue Gemeinden bildeten, wurden sie als „Mitgift“ der Johanneskirche an die neu entstandene Luthergemeinde übergeben. Mit dem Bau der Andreaskirche 1967 gelangten Kelch und Kanne schließlich in die Anneröder Siedlung – und prägten dort über Jahrzehnte das gottesdienstliche Leben.
Inzwischen hat sich die Situation jedoch grundlegend gewandelt. Rückläufige Mitgliederzahlen und strukturelle Veränderungen führen zum Zusammenlegen von Gemeinden und zur Aufgabe von Gebäuden. Besonders hart traf dies die Andreasgemeinde, die ihre Kirche mitsamt Inventar aufgeben musste.
Der ehemalige Andreas-Pfarrer Joachim Lenski brachte daraufhin die Idee ins Spiel, die historischen Abendmahlsgeräte an ihren Ursprungsort zurückzugeben. Der Kirchenvorstand der Gesamtkirchengemeinde Gießen-Ost stimmte zu. Damit war der Weg frei für die Rückkehr in die Johanneskirche.
Bei einer kleinen Übergabe überreichten die Pfarrerinnen Janina Franz und Sonja Löytynoja die beiden Stücke an Gottfried Cramer, den Vorsitzenden des Vereins zur Erhaltung der Johanneskirche Gießen e.V. Der Kelch und die Kanne werden künftig Teil der Ausstellung „WERTvoll – Ausstellungserlebnis Johanneskirche“ und sollen auch an die inzwischen aufgegebene Andreaskirche erinnern. Beide Stücke stammen aus dem Jahr der Einweihung der Johanneskirche, 1893. Laut Gravuren wurde der Kelch von „Frau Landrichter Bücking – Witwe“ gestiftet, die Kanne vom damaligen Oberkonsistorial-Präsidenten und Geheimrat Theodor Goldmann aus Darmstadt
