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Die Johanneskirche als Zeitzeugin Gießener jüdisch-christlicher Geschichte

„Ein Teil dieser Geschichte ist der im Jahr 1892 erfolgte Verkauf von Anleihen bzw. Schuldscheinen zur Finanzierung der Johanneskirche in Höhe von 370.000 Mark“, so Gottfried Cramer. Zusammen mit zwei anderen Persönlichkeiten wurde der damalige Verkauf ehrenamtlich vom jüdischen Gießener Bankier Aaron Heichelheim organisiert. Er war der Vater des bekannten Gießener Stifters und Mäzens Kommerzienrat Siegmund Heichelheim, der u. a. bei der Erbauung des Stadttheaters 1907 eine tragende Rolle spielte. Ein weiterer jüdischer Name der damaligen Zeit ist der von Rabbi Dr. Benedikt Samuel Levi, Vater des weltberühmten Dirigenten und Komponisten Hermann Levi. Der „Gießener Rabbi“ stand gemeinsam mit den evangelischen Dekanen und allen evangelischen Geistlichen des Dekanats Gießen auf einem vorderen Platz der Ehrenliste geladener Gäste zur Einweihung der Johanneskirche am 30. November 1893.

So positiv diese Begebenheiten auch gewesen sein und dankbar in Erinnerung bleiben mögen, so schrecklich war die Wende 1933 mit Beginn der NS-Herrschaft. Aus dieser Zeit gibt es aus der Johanneskirche einige Berichte, die dem sogenannten Kirchenkampf zuzuordnen sind. Für die „Bekennende Kirche“ gab es beispielsweise am 6. Mai 1936 einen kritischen Vortrag von Martin Niemöller zur „Kirchlichen Lage“. Für die Hitler-nahen „Deutschen Christen“ gab es zum Beispiel eine Versammlung vom 31. März 1937 mit der furchtbaren Botschaft: „Wir wollen eine Kirche, die äußerlich und innerlich völlig vom Judentum geschieden ist. Wir wollen, wenn der Ruf des Führers kommt, Folge leisten.“

Gott sei Dank war dieser Plan mit Ende des 2. Weltzkrieges gescheitert, und schon am 12. Dezember 1956 setzte Pfarrer Paul Zipp ein gegenteiliges Zeichen. Die Johanneskirche erhielt ein neues Chorfenster, in welchem die beiden alttestamentlichen Propheten Micha und Haggai die jüdischen Wurzeln der christlichen Kirche deutlich bezeugen. Damit setzte diese Führung ein wertschätzendes Zeichen innerer Verbundenheit der christlichen Kirche mit ihren jüdischen Wurzeln sowie gegen den zunehmenden Antisemitismus. Für die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar dankte Christel Buseck dem Förderverein für dessen Engagement.

Fotos: Mit dem Gesicht zugewandt li. Christel Buseck, 2. v. li. Gottfried Cramer und 3. von li. Armin Habermann

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